Brownie

Mit einem Hund bin ich plötzlich Teil einer Parallelwelt. Ich finde mich in der tierärztlichen Notaufnahme wieder, die natürlich auch an Muttertag geöffnet hat. Den Patienten trage ich im Arm hinein. Ich schätze, dass er ungefähr fast so viel wiegt wie ein Waschmittelpaket XXL. Vor dem Anmeldetresen setze ich ihn ab. Er fährt sofort seinen Riechkolben aus und beginnt, die neue Umgebung zu scannen. Das erinnert mich unwillkürlich an Bens Saugroboter. „Das einzige Haustier, das es je in unsere Wohnung schaffen wird.“ Bens Lieblingsspruch. Einer von vielen.

Leider gibt es hier keine Krümel auf dem Boden. Das scheint meine Supernase nicht weiter zu stören. Und Kuchen hatte er ja bereits.

Die Dame am Empfang würdigt mich keines Blickes. Sie ist beschäftigt. Ich warte geduldig, bis sie mir ihre Aufmerksamkeit schenkt. Nichts unterscheidet sich hier vom Wartebereich meines Hausarztes, also fast nichts. Bei meinem Hausarzt bringen die Patienten keine Hamster, Katzen oder Rennmäuse mit. Alles andere ist austauschbar: ein Empfang mit Hochglanztheke, Helferinnen in weißen Kitteln, Zimmertüren mit der Aufschrift Labor, durchnummerierte Behandlungszimmer – sogar die Aufschrift OP gibt es. OP? Mir wird ganz anders. Wenn das ungezogene, Brownie fressende Monster jetzt operiert werden muss?

„Waren Sie schon einmal bei uns?“ Die Tierarzthelferin mit Namen Charleen – spricht sie das deutsch oder englisch aus? – schaut von ihrem Bildschirm auf.

„Nein!“ Die Antwort war leicht.

„Um welches Tier handelt es sich?“

Ernsthaft? Mein wuscheliger Findelhund knabbert gerade an einem Stuhlbein.

„Ähm, es handelt sich um einen Hund.“

„Rasse?“

„Keine Ahnung.“ Der Schwierigkeitsgrad der Fragen steigt. Vielleicht werde ich einen Telefonjoker bemühen müssen?

Charleen – ich entscheide mich für ein langgezogenes „ee“ – beugt sich über den Tresen und wirft einen Blick auf den Patienten.

„Mischling“, sagt sie und tippt etwas in den Computer.

„Geschlecht?“

„Weiblich.“

„Alter?“

„Zwei“, ich überlege kurz, Charleen tippt eifrig, „nein“, korrigiere ich mich, „eher drei Stunden.“

Charleen zieht eine Augenbraue hoch. Sie ist not amused.

„Keine Ahnung“, gestehe ich, „es ist gar nicht mein Tier. Es ist mir über den Weg gelaufen. Morgen kommt der Hund ins Tierheim.“

„Und warum sind sie dann hier?“

„Er hat Schokolade gefressen. Brownies. Eine ganze Ladung davon. Man sagte mir, Schokolade sei giftig für Hunde, stimmt das?“

Charleens Augen nehmen mich etwas genauer ins Visier. „Und das wussten sie nicht?“

„Nein. Aber ich habe den Hund damit auch nicht gefüttert. Er hat sich selbst bedient.“

„Ich dachte es ist eine Sie?“

„Aber es heißt doch: der Hund.“

„Einen Namen hat sie nicht?“

„Er, der Hund, hat sich mir nicht vorgestellt.“

„Es gibt keine Marke?“

„Marke?“

Charleen beugt sich wieder übern den Tisch. „Hat sie oder hat sie nicht?“

Ich gehe in die Knie. Das Fellknäuel kommt sofort auf mich zugetapst und springt an mir hoch. Ich wühle zwischen seinen Locken nach einer Marke.

„Wo soll die sein, diese Marke? Vielleicht wie bei Kühen ans Ohr getackert?“

Charleen hat sich wieder zurück auf ihren Rollenstuhl fallenlassen. Sie scheint vor meiner Fachkompetenz zu kapitulieren.

„Dann füllen Sie bitte diese Anmeldeformulare und die Datenschutzerklärung aus.“

Ich gebe meine Adresse an und setze hier und dort Häkchen, obwohl ich doch nur die Zufallsbekanntschaft dieses Vierbeiners bin. Das hier wird nichts Festes. Der Hund gehört mir nicht. Letztlich spielt es keine Rolle, wie alt er ist und auf welchen Namen er oder sie getauft wurde. Es muss mich nicht interessieren, denn morgen bin ich ihn los. Oder eben sie.

Die Tür zum Wartezimmer geht auf und mein Notfallpatient läuft kläffend und mit dem Schwanz wedelnd in den Wartebereich. Ich vermag nicht zu sagen, ob das gut oder schlecht ist. Aber die ersten hohen Schreie lassen nichts Gutes ahnen.

„Lass das!“

„Weg da!“

Das klingt nach Ärger.

„Pfeifen Sie ihren Hund zurück!“

Pfeifen? Würde er auf ein Pfeifen hören? Das braune Fellknäuel tanzt um einen gepflegten Malteser herum. Keine Ahnung, wo der eine und aufhört und der andere anfängt. Hell und dunkel. Yin und Yang. Es geht immer im Kreis.

„Schluss! Aus!“ Die Frau pflückt ihren kleinen Malteser vom Boden auf. Mein Monster springt an der Dame hoch.

Also, wenn das die Wirkung von Brownies ist …

„Tun Sie doch etwas!“

„Was soll ich denn tun? Das ist nicht mein Hund.“

„Aber Sie sind doch mit dem Tier zusammen hier herein gekommen. Kümmern Sie sich endlich!“

Das Fellmonster hört auf, die Dame mit dem Malteser zu belästigen. Schließlich sind noch andere interessante Vierbeiner im Raum. Er stürmt auf einen Käfig zu, der vom Besitzer vom Boden gerissen wird. „Nicht! Du erschreckst unseren Mucki!“

Mucki ist ein betagter Hamster, wie sich herausstellt.

„Mucki kriegt noch einen Herzinfarkt!“

Mein haariger Begleiter bellt Mucki ziemlich unfein an. Aber Mucki möchte nicht spielen.

Weiter geht es zu einem Hund, den ich fast übersehen hätte, obwohl er gar nicht zu übersehen ist. Er hat sich links hinter der Tür ausgestreckt – oder sollte ich sagen: auf die Lauer gelegt? Schwarz wie die Nacht und ein Kopf groß wie ein Kalb. Er bleibt ziemlich gelassen, nur die Ohren stellen sich auf. Mein Schützling will auch ihn begrüßen, nimmt Anlauf, stürmt los, bis ein dunkles Grollen ihn stoppt.

„Wenn er ihm zu nah kommt“, sagt der Besitzer des Höllenhundes, „garantiere ich für nichts. Robert hat noch nicht gefrühstückt.“

„Robert?“ Redet er in der dritten Person von sich selbst? Oder will er ernsthaft sagen, dieser massige Körper da am Boden mit den gefletschten Zähnen hieße Robert? Robert wie mein Grundschullehrer Falk Robert? Doktor Robert, um genau zu sein? Ein gutmütiger Pädagoge, der sich von uns auf der Nase herumtanzen ließ und unsere Frechheiten mit einem Lächeln quittierte?

„Hallo, hier!“, rufe ich und meine damit meinen ADHS Hund. „Komm zu mir, komm!“

Er hält inne, was aber nicht an meiner Autorität liegt, sondern an Robert. Auch mir flößt Robert Respekt ein. Ich suche mir einen Platz auf der anderen Seite und winke mit meiner Tasche, als hätte ich dort irgendetwas Aufregendes versteckt. Was ich ja auch habe. Lippenstift. Kugelschreiber. Deo. Bonbons. Handcreme. Das wirkt. Der Braune schaut auf, nimmt Anlauf, kommt auf mich zugerast und springt. Er springt! Er springt mir doch tatsächlich auf den Schoß und steckt seine Nase tief in meine Handtasche. „He, nein, raus da!“ Worte helfen nicht. In der Tasche sind bestimmt auch noch ein paar Überreste von Croissants oder Brezeln oder anderen Leckereien, die ich mir zwischendurch gönne.

„So ein ungezogener Hund!“ Die Dame mit dem Malteser. Auch ihr Hund verfolgt die Szene schockiert. Meine Tasche fällt auf den Boden. Der Inhalt ergießt sich vor meinen Füßen. Nun springt der Höllenhund auf. Schneller als sein Herrchen „Robert!“ sagen kann, hat er sich meine Handcreme geschnappt und kaut jetzt darauf herum. „Plastik!“, kreischt die Malteserdame.

„Aus!“, schimpft Roberts Herrchen. Der Deckel der Handcremetube springt ab, fliegt durch den Raum und kullert unter eine Stuhl. Der Malteser nutzt den Tumult, um seinem Frauchen vom Schoß zu springen und sich den Verschluss zu schnappen. So eine Kappe passt wunderbar in die kleine Hundeschnauze. Man hört es Knacken zwischen seinen Zähnen. In der Zeit hat Robert die Sache mit der Creme geklärt. Einmal kräftig zubeißen und der Inhalt schießt in die Luft. Er lässt die Tube fallen und schleckt die Creme vom Boden. Mandelgeschmack. Hoffentlich bekommt es ihm.

Die Frau kniet am Boden vor ihrem Malteser und redet auf ihn ein. „Gib Frauchen das Plastik, bitte, gib es mir!“

Aber der kleine Malteser bleibt hart. Da muss sie sich wohl etwas anderes einfallen lassen. Sie kramt in ihrer Tasche nach einem Hundekeks. „Du kriegst das Leckerli und ich den Deckel?“

Ob der Hund sie versteht? Er legt den Kopf schief und schaut sie mit großen Knopfaugen an – das ist ganz großes Kino. Man hört es Knacken im Maul des kleinen Hundes. Dann schluckt er.

„Nein!“, kreischt die Frau. „Luke!“ Sie versucht, ihren Finger zwischen das Kaugestell des kleinen Rackers zu bekommen. „Er hat es verschluckt!“ Sie schnappt sich ihren verfressenen Fiffi und läuft aus dem Wartezimmer. Draußen höre ich, wie sie darauf besteht, sofort, unverzüglich, auf der Stelle mit ihrem kleinen Luke ins Behandlungszimmer vorgelassen werden. Mehr Notfall gehe schließlich nicht!

Lucky Luke, denke ich und lese meinen braunen Mischling vom Boden, damit er nicht noch mehr Unsinn anstellen kann – oder auch irgendetwas Verbotenes frisst. Ach nee, das hat er ja längst.

Den Rest der Zeit muss er auf meinem Schoß verbringen. Ob ich will oder nicht. Der schwere Klops kuschelt sich in meinen Arm und lässt sich von mir graulen. Zwischendurch blinzelt er, um zu überprüfen, ob Robert noch da ist. Robert ist noch da. Er liegt wieder an seinem Platz. Keine Ahnung, ob Hunden Bio-Handcreme mit Mandelduft und Jojobaöl bekommt, aber Robert macht einen stabilen Eindruck.

Weil ich nicht weiß, was ich machen soll, krame ich ein Haargummi aus meiner Tasche und binde damit die Haare auf dem Hundekopf zusammen, damit sie nicht länger die Augen bedecken. Caro würde sagen, dass da jetzt eine Assipalme wächst. Aber ich bin mir sicher, Hunde sind vollkommen uneitel. Sie tragen lustige Schleifchen im Haar oder karierte Pullover. Meinem dahergelaufenen Straßenkötermischling ist das wohl auch egal. Ich könnte sie Justine nennen oder Abigail. Mutter Beimer oder Shrek. Egal. Morgen ist der Spuk vorbei.   

„Frau Grün?“

Ich trage den Patienten ins Behandlungszimmer zwei. Sicher ist sicher. Ich setze meinen Muttertagsfund auf dem Behandlungstisch ab. Täusche ich mich oder hat er die Hosen voll? Äh, das Fell?

„Hallo, ich bin Jan Kiwakowski.“

Ziemlich viele Konsonanten für einen Nachnamen.

„Und das ist?“

„Ein Hund.“

„Das sehe ich.“ Er lacht. Der Arzt trägt ein blaues OP-Hemd und Jeans. Er ist braun gebrannt und hat sich schon lange nicht mehr rasiert, was ihm gut steht, denkt Lila. Er könnte auch Kapitän auf einem Kreuzfahrtschiff sein. Oder Fitnesstrainer. Oder …

„Welche Rasse?“

„Ich dachte, das könnten Sie mir sagen.“

„Das ist nicht so einfach. Er ist noch recht jung.“

Ich sehe Charleen an. Sehen Sie, er sagt auch „er“, denke ich.

„Da könnte ein französischer Schäferhund, Pudel oder Briard drinstecken. Ich habe so einen wuscheligen Kerl noch nicht gesehen. Recht kompakt. Kräftige Statur.“ Er schaut sich die Ohren an und dann die Pfoten. „Die Krallen sind etwas lang.“

Er schiebt die Lefzen hoch und mein eigentlich so temperamentvoller Findelhund lässt sich auch das gefallen. Eindeutig eine Hundedame. Sie ist Doktor Charming schon verfallen.

„Welpengebiss. Ich schätze er ist so ungefähr 14 Wochen alt. Da steht bald der Zahnwechsel an.“

„Zahnwechsel?“

„Hunde verlieren Zähne?“ Wer hätte das gedacht!

Er sieht mich ungläubig an. „Das ist aber Ihr Hund, oder?“

„Nein. Das ist ja Teil des Problems.“

„Wie heißt er?“

„Es ist eine sie.“

„Wohl kaum.“ Er zeigt mir sein ganz offensichtlich männliches Geschlechtsorgan.

„Oh. Da war nur viel Fell drumherum …“, stammle ich. Peinlich! Ich habe auch wirklich keinen blassen Schimmer.

„Es ist ja gar nicht mein Hund. Morgen gebe ich ihn ab. Wenn er die Brownies überlebt. Oder kann ich ihn nicht einfach hierlassen und Sie übergeben ihn dem Tierheim.“

„Brownies?“ Er tastet den Bauch seines Patienten ab. „Haben Sie bemerkt, dass er unruhiger ist als sonst?“

„Trinkt er mehr? Hat er Durst?“

Seitdem er bei mir ist, hat er gar nichts getrunken.

„Hat er gebrochen?“

„Nein.“

„Und ihre Bluse?“

„Der braune Fleck?“ Den hatte ich völlig vergessen. „Trage ich immer so.“

Jan K. grinst. „Sie können, glaube ich, alles tragen – bei diesen Haaren.“

Meine Haare? Meine seltsam roten, braun getönten Haare? War das ein Scherz? Er lächelt mich immer noch an. Oh, mein Gott! Mein Hals ist wie ausgetrocknet. „Ich meine ja nur, Sie haben wunderschöne Haare …“ Flirtet Dr. Brinkmann jetzt mit mir?

„… und ich will Ihnen nicht zu nahe treten, aber die Haarfarbe ähnelt der Ihres Hundes. Er hat auch so ein sattes Rotbraun.“

„Das ist nicht mein Hund!“ Sagte ich zwar bereits, ist aber irgendwie noch nicht angekommen.

„Durchfall?“ Hier spricht wieder Dr. K. „Ich meine den Hund hier, der nicht Ihrer ist.“

„Schon klar. Und: Nein. Kein Durchfall.“

„Zittern? Ist er schwach auf den Beinen?“

„Definitiv:  Nein.“

„Er hat eben das ganze Wartezimmer aufgemischt“, bringt sich Charleen in Erinnerung.

„Aber er hat eine ganze Ladung Brownies gefressen? Wie lange ist das her?“

„Ungefähr eine Stunde, etwas mehr vielleicht.“

„Und was genau war da drin? Haben Sie das Rezept?“

„Es ist weder mein Hund, noch waren es meine Brownies. Ich habe keine Ahnung.“ Wird das hier ein Quiz?

„Könnten Sie das in Erfahrung bringen? Es ist wirklich wichtig. Brownies werden doch mit sehr viel Schokolade zubereitet – in der Regel Zartbitter, oder?“ Er sieht Charleen an – als ob die so etwas wüsste!

„Ja. Und dunkle Schokolade hat einen besonders hohen Theobromingehalt“, antwortet sie. Charleen, Charleen, du überrascht mich!

„Und das ist für Hunde genau das Problem“, nimmt Dr. K. die Vorlage auf, „die Dosis macht das Gift.“

Ich nicke.

„Könnten Sie jemanden anrufen?“

Also doch der Telefonjoker. Mein Vater ist sofort am Apparat. „Kannst du mir das Brownierezept durchgeben?“

Dr. K. und Charleen beobachten mich beim Telefonieren. Ich trage eine fleckige Bluse, kein Make-Up und meine roten Haare liegen natur: Also so, wie sie wollen. Wunderhübsch? Na ja, ich weiß nicht. Vielleicht wollte er sich über mich lustig machen? Ich habe die Haarfarbe des Hundes? Was soll das denn für ein Kompliment sein? – – Zum ersten Mal seit langem bereue ich es, mich nicht etwas sorgfältiger zurecht gemacht zu haben. Eine durchtanzte Nacht und ein beinahe Unfall sind doch keine Ausrede dafür, dass man sich gehenlassen muss. Aber wer zur Hölle hätte auch damit rechnen können, dass dieser Tag so aus dem Ruder läuft? Eben.

Ich drehe mich etwas zur Seite und senke meine Stimme etwas.

„Es ist nicht mein Hund“, korrigiere ich meinen Vater. „Und ich möchte nicht backen. Ich brauche nur das Rezept. Wie viel Schokolade war da drin?“ Die Antwort ist interessant. „Vegan?“ Ich fasse es nicht. „Deswegen machst du so einen Aufstand? Dann ist da doch gar keine Schokolade drin, oder?!“ Ich glaube es nicht.

„Bei veganer Schokolade kann es sich durchaus um eine reine Zartbitterschokolade handeln“, textet mich Dr. K. von der Seite zu, „die ist dann aus Versehen vegan, weil der Milchgehalt fehlt.“

Ich bin hier wohl die einzige Unwissende.

„Okay, danke“, sage ich und beende das Gespräch.

„Zartbitter wäre schlecht?“, frage ich.

„Jepp!“

„Dann habe ich hoffentlich eine gute Nachricht: Zartbitter war aus, darum gab es neben Datteln und Bananen Kakaopulver in den Teig.“

„Schokoglasur?“

Ich schüttele den Kopf.

„Er zeigt auch keine Symptome. Wir lassen ihn trotzdem erbrechen. Dann sehen wir weiter.“

„Brechen?“

Beim Gedanken daran wird mir als erste schlecht. Ich brauche noch nicht einmal eine Spritze dafür. Ehe ich oder der Hund, der mir nicht gehört, begreifen, was los ist, hat er auch schon den Spritzeninhalt intus.

„Apomorphin“, erklärt er, „das geht jetzt ganz schnell.“ Charleen öffnet die Tür, die praktischerweise nach draußen in den Hof führt. Dr. K. greift sich den Hund und trägt ihn nach draußen. Das Geräusch, das nun einsetzt, erinnert mich an den Schleudergang meiner Waschmaschine. Dass sich der Magen des Hundes Dann speit er uns einen braunen Schwall vor die Füße. Und noch einen.

„Sie sehen blass aus.“ Oho, man kümmert sich hier nicht nur um Zweibeiner. Dr. K. holt mir von drinnen ein Glas Wasser und zieht mir einen Plastikstuhl heran. „Wir geben dem Kleinen jetzt eine halbe Stunde, dann sehen wir weiter.“

„Meinen Sie nicht, er braucht langsam einen Namen?“

„Braucht er?“

Sein Blick lässt keinen Zweifel offen: Mein kotzender Begleiter braucht einen Namen. Ich seufze. Auch das noch!

Was ich von meiner Großmutter gelernt habe? Die Vermenschlichung von Tieren setzt mit der Namensgebung ein. Ihren Kaninchen hat sie nie Namen gegeben hat. Rosie oder Hänschen landen schließlich irgendwann im Schmortopf. Wenn etwas einen Namen hat, setzt die emotionale Bindung ein. Das weiß doch jeder. Und ich will mich emotional nicht binden. Zumindest nicht an einen haarigen Vierbeiner.

„Wie wäre es mit Brownie?“

Er schenkt mir noch eins seiner Naturburschenlächeln und verschwindet.

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